Checkliste Schweigepflicht
Darf ich diese Information weitergeben?
(für Fachkräfte im Ambulant Betreuten Wohnen)
Nutze diese Checkliste als kurze Entscheidungshilfe im Alltag.
1. Grundsatz prüfen
☐ Handelt es sich um Informationen über einen konkreten Klient*in?
☐ Sind diese Informationen sensibel (z. B. Gesundheit, Finanzen, Behörden, Familie)?
→ Wenn ja, gilt grundsätzlich Schweigepflicht.
2. Zweck klären
☐ Ist die Weitergabe für die Betreuung oder Hilfeplanung erforderlich?
☐ Dient sie dem Wohl der Klient*in oder der Gefahrenabwehr?
→ Kein fachlicher Zweck = keine Weitergabe.
3. Einwilligung vorhanden?
☐ Liegt eine ausdrückliche Einwilligung der Klient*in vor?
☐ Oder eine konkludente Einwilligung (z. B. gemeinsame Teilnahme an einem Termin)?
☐ Wurde der Umfang vorher besprochen?
→ Einwilligungen gelten nur für den konkreten Zweck und Zeitraum.
4. Adressat prüfen
☐ Ist klar, wer die Information erhält?
☐ Ist diese Person oder Stelle tatsächlich beteiligt?
☐ Wurde sie in einer Schweigepflichtsentbindung benannt?
→ „Alle“, „das Amt“ oder „die Einrichtung“ sind zu ungenau.
5. Rahmenbedingungen sichern
☐ Findet das Gespräch in einem nicht-öffentlichen Raum statt?
☐ Kann niemand mithören (auch nicht zufällig)?
☐ Ist bei Telefonaten / Online-Gesprächen der Raum geschützt?
→ Auch fachlich zulässige Gespräche können sonst problematisch sein.
6. Anonymisierung prüfen (bei Austausch ohne Einwilligung)
☐ Keine Namen, Initialen oder Orte genannt
☐ Keine Kombination von Merkmalen, die Rückschlüsse erlaubt
☐ Besonders vorsichtig bei seltenen oder auffälligen Fällen
→ Im Zweifel: lieber weglassen.
7. Ausnahmefall?
☐ Besteht eine akute Gefahr für Leben oder körperliche Unversehrtheit?
☐ Liegt ein rechtfertigender Notstand (§ 34 StGB) vor?
→ Nur dann darf Schweigepflicht ausnahmsweise durchbrochen werden.
🔎 Merksatz
Wenn du unsicher bist, ob du etwas weitergeben darfst: erst klären – oder es lassen.
Stand: 07.01.2026
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